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http://www.verwaltungsgeschichte.de/olg_stettin.html
Konrad Morgen
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Georg Konrad Morgen (* 8. Juni 1909 in Frankfurt am Main; † 4. Februar 1982) war ein promovierter deutscher Jurist; Obersturmbannführer und SS-Richter.
Konrad Morgen war in der Zeit vor 1939 Richter am Landgericht Stettin und dann als Richter am Hauptamt SS-Gericht in München tätig. Ab Mai 1943 wurde er am Reichskriminalpolizeiamt Berlin mit der Untersuchung von Korruptionsfällen in Konzentrationslagern beauftragt. Er kam deshalb mit Christian Wirth in Kontakt, war unmittelbar mit der Vernichtungspolitik des SS-Staates vertraut und wurde daher ein „Spezialist für Konzentrationslager-Verbrechen“, so eine Selbsteinschätzung (wobei unter „Konzentrationslager-Verbrechen“ nichts anderes als Wirtschaftskriminalität im Zusammenhang mit dem konfiszierten Eigentum der KZ-Häftlinge verstanden wurde und nicht etwa die institutionalisierten Verbrechen gegen die Menschlichkeit). Ab Herbst 1944 war er SS-Chefrichter in Krakau und damit zuständig für das Konzentrationslager Auschwitz. Das letzte Kriegsjahr war er SS-Richter in Breslau.
Morgens Tätigkeit als SS-Richter
Nach Morgens eigenen Angaben autorisierte Himmler ihn, von ihm begonnene Untersuchungen im KZ Buchenwald fortzuführen. Dies führte zu Anklagen gegen den Lagerkommandanten Karl Koch, seine Frau Ilse und Mittäter wie Martin Sommer wegen Korruption, Mordes und Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Koch wurde wegen Mordes zweimal zum Tode verurteilt und kurz vor Kriegsende hingerichtet. Konrad Morgen verurteilte einen weiteren Beteiligten, Waldemar Hoven, zum Tode. Das Urteil wurde jedoch nicht vollstreckt.
In einem anderen Fall hatte ein Wachmann des Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau mehrere Kilo unsauber umgeschmolzenes Zahngold mit einem Feldpostpaket an seine Frau schicken wollen. Das Gold aber war vom deutschen Zoll abgefangen worden. Im Zuge der daraus folgenden Ermittlungen suchte Konrad Morgen in seiner Funktion als SS-Richter auch das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau auf und ließ sich den Ablauf der Vernichtungsmaschinerie genau erklären. Dabei machte er nach späteren Angaben die Entdeckung, dass sich das Lagerpersonal erwerbsmäßig am Beutegut der Ermordeten bereicherte.
Morgen untersuchte in der Folge noch weitere Verbrechen in Konzentrationslagern, unter anderem auch in KZ Dachau, KZ Flossenbürg und KZ Lublin. Insgesamt wurden nach seiner eigenen Darstellung 800 Verfahren in Gang gesetzt, davon konnten 200 abgeschlossen werden.
Als Morgens Untersuchungen immer weiter um sich griffen, und er auch gegen den Kommandanten des Konzentrationslagers Auschwitz ermittelte, musste er auf Befehl Heinrich Himmlers im April 1944 seine Tätigkeit auf den Fall Koch beschränken und sonstige Untersuchungen einstellen.
Dennoch gelang es ihm, eine Reihe bekannter KZ-Kommandanten anzuklagen, und teilweise zu verurteilen:
* Hermann Florstedt, Kommandant von Lublin, wegen Korruption zum Tode verurteilt und hingerichtet
* Hans Loritz, Kommandant von Sachsenhausen, Ermittlungen wegen des Tatverdachtes unerlaubter Tötungen
* Adam Grünewald, Kommandant von Herzogenbusch, wegen Misshandlungen von Häftlingen verurteilt und strafversetzt
* Karl Künstler, Kommandant von Flossenbürg, wegen Trunkenheit und ausschweifendem Lebenswandel abgesetzt
* Alex Piorkowski, Kommandant von Dachau, wegen Mordes angeklagt, aber nicht verurteilt
Nach Kriegsende
Morgen wurde im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess als Entlastungszeuge der Verteidigung vernommen. Bei der Frage, ob es sich bei der SS um eine verbrecherische Organisation gehandelt habe, hatte er die These vertreten, der Befehl für den Aufbau der Vernichtungslager Sobibor, Treblinka und Belzec sei nicht von Heinrich Himmler, sondern von Hitler selbst ergangen. Auf die Frage, welche Lager Vernichtungslager waren, antwortete Morgen am 8. August 1946: „Mit »Vernichtungslager Auschwitz«, meinte ich nicht das Konzentrationslager. Das gab es dort nicht. Ich meinte ein besonderes Vernichtungslager in der Nähe von Auschwitz, »Monowitz« bezeichnet.“ Die Beweggründe dieser offensichtlichen Falschaussage sind nicht geklärt.
Seine eigene Rolle als SS-Mitglied verharmloste Morgen später als Zeuge im 1. Frankfurter Auschwitzprozess.
Konrad Morgen war nach dem Krieg als Rechtsanwalt in Frankfurt am Main tätig und bis zum 19. Januar 1979 bei der dortigen Rechtsanwaltskammer registriert.
Weblinks
* Literatur von und über Konrad Morgen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (Datensatz zu Konrad Morgen • PICA-Datensatz • Einträge im Musikarchiv)
* Vernehmung Konrad Morgen im 1. Frankfurter Auschwitzprozess.
* Morgens Aussage vor dem Kriegsverbrecherprozess in Nürnberg (Simon-Wiesenthal-Center)
* Weiterfuehrende Informationen zur Judenvernichtung in Polen und zur Rolle des Konrad Morgen auf Spiegel Wissen
* Direkt relevante Auszüge aus dem SPIEGEL Wissen Artikel auf Nizkor (English)
http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Morgen
07.03.2009