Nacktfotos


 

 

 

Jugendliche und soziale Netzwerke

Nacktfotos mit Spätwirkungen

"Watch your web" - Verbraucherschutzministerin Aigner stellt heute eine Jugendkampagne zum sensibleren Umgang mit persönlichen Daten im Internet vor. Rund ein Drittel der Jugendlichen lässt laut einer Studie zu, dass die persönlichen Informationen für alle Internetnutzer zugänglich sind. Janina Berlinghoff, 19 Jahre alt und Praktikantin bei tagesschau.de, schildert den schwierigen Spagat zwischen notwendigem Datenschutz und dem, was man in Netzwerke einstellen muss, um dazuzugehören.

Wer heute als Jugendlicher cool sein will, muss sich bei verschiedenen Internetportalen wie Facebook, studiVZ, MySpace, YouTube, Messenger, skype oder ICQ anmelden, sonst ist man schnell der Außenseiter. So wird heute kommuniziert, und wer nicht über das Internet zu erreichen ist, wird oft nicht einmal mehr zu Partys eingeladen. E-Mails sind so out wie ein Brief

Pubertät im Zeitalter der sozialen Netzwerke (Foto: picture-alliance) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Wer hat wann was mit wem gemacht: Netzwerke halten über das Leben der "Freunde" auf dem Laufenden. ] Schließlich haben wir schon lange mitbekommen, wie teuer das Kommunizieren per Handy ist, und da man ja als junger Mensch durch diverse Austausch-Programme, "work and travel" oder Auslandspraktika immer mobiler wird, ist das Internet die billigste und schnellste Möglichkeit, um lange Distanzen zu überbrücken und Kontakt zu Familie und Freunden zu halten. Dabei ist eine E-Mail fast schon so out wie ein Brief. Heute hinterlässt man einfach schnell eine Nachricht auf der virtuellen Pinnwand.

Wer sich also über das Privatleben seiner mehreren Hundert gelisteten "Freunde" informieren will, muss nur ins Internet gehen und weiß sofort, wer mit wem zusammen ist, wer auf welcher Party was gemacht hat und wer welches Problem hat. Auch wenn sich dann ein Paar getrennt hat, steht der Herzschmerz im Netz, derjenige ändert zum Beispiel seinen MSN-Namen oder seinen Beziehungsstatus auf Facebook und schreibt Kommentare dahinter wie: "Wie konntest du mich für jemanden anderen verlassen?" oder "Ich bin so verletzt worden!". Schulalltag - weltweit mitzuverfolgen

Für uns Jugendliche ist das alles ganz lustig, beispielsweise wenn wir bei Bekannten auf die Fotos vom vergangenen Wochenende klicken und sehen, mit wem geknutscht oder was geraucht und getrunken wurde. Und wir lachen über die höchst amüsanten Bilder oder Videos von irgendwelchen Strip-Einlagen. Mädchen stellen auch gern einen Foto-Ordner von sich ins Internet. Sie zeigen sich von links, von rechts, in allen möglichen Posen, Outfits und verschiedenen Make-ups, auch gern einfach nur ein Foto vom Hinterteil oder vom Ausschnitt.

Startseiten von Online-Netzwerken Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Man muss dabeisein, um dazuzugehören: Startseiten von Online-Netzwerken ] Während Jungs die "Schnecken checken", lästern die Mädels über die provokanten Bilder der anderen. Das klingt soweit nach einem Schulalltag mit dem Unterschied, dass dieser virtuell geschieht und für die ganze Welt mitzuverfolgen ist - auch noch dann, wenn die Schüler längst erwachsen sind und sich um eine Ausbildungsstelle oder einen Job bewerben. Das Internet vergisst nicht - und damit mussten einige schon frustrierende Erfahrungen machen.

Ein Beispiel dafür ist die Geschichte von einem Schüler, der Pilot werden wollte und sich nach dem Abitur bei der Lufthansa bewarb. Er hat, was das Internet betrifft, so ziemlich alle Trends mitgemacht und war auch auf vielen Partys dabei. Zahlreiche Bilder im Netz zeigen ihn mit der Bierflasche in der Hand oder betrunken auf der Couch. Aus der Pilotenausbildung wurde daher nichts. Das Nacktfoto kann mit 30 sehr peinlich sein

Gern wird auch im Internet über andere gelästert, wie bei einem Fall, bei dem eine Schülerin im Unterricht heimlich fotografierte und die Fotos anschließend bei schuelerVZ mit beleidigenden Äußerungen über die namentlich genannten Lehrer veröffentlichte. Die Schülerin musste die Schule verlassen.

Jugendliche unterschätzen, wie leicht sie sich und andere durch unüberlegtes Verhalten in Online-Communities schädigen können. Sie stellen einfach Fotos und persönliche Daten ins Internet, ohne über die Risiken und Gefahren nachzudenken. Doch ein Nacktfoto kann mit 30 dann schon sehr peinlich sein.

Stand: 09.06.2009 09:09 Uhr

http://www.tagesschau.de/inland/watchyourweb100.html

 

 


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