Trennungsvater

Scheidungsväter - Trennungsväter


 

 

 

 

Jährlich erleben ca. 150.000 minderjährige Kinder die Scheidung ihrer Eltern. Dazu dürften noch einmal 20.000 Kinder kommen, deren nichtverheiratete Eltern sich trennen oder erst gar nicht zusammenleben.

In zehn Jahren sind das 1,7 Millionen Kinder. Nicht wenige von ihnen erleben mehrere Trennungen des "alleinerziehenden" Elternteils.

1,7 Millionen Kinder, das bedeutet ca. 850.000 Väter, die von der Trennung betroffen sind. In 85 Prozent der Fälle leben die Kinder bei der Mutter. 

850.000 Väter sind eine potentielle politische Kraft. In der Familienpolitik der etablierten Parteien spielen sie bisher so gut wie keine Rolle. Der größte bundesweite, die Interessen von Vätern und ihrer Kinder vertretende Verein, der Väteraufbruch für Kinder e.V. www.vafk.de wird von den etablierten Parteien und den zuständigen Ministerien geschnitten. Getreu dem Motto "Väter sind Täter". Statt dessen erfreut sich die Lebensform "Alleinerziehende Mutter" und ihrer Interessenvertretung, der "Verband alleinerziehender Mütter und Väter" der politischen und finanziellen Förderung der Parteien, gerade so als ob es politisches Programm wäre, die Väter vor der Tür zu halten.

Offizielle wissenschaftliche Studien über die Situation getrennt lebender Väter, insbesondere ihre psychosozialen Belastungen gibt es nicht und werden vom Bundesfamilienministerium auch nicht in Auftrag gegeben. Kein Interesse, kein Geld. Statt dessen müssen Trennungsväter für Nation und Politik als Sündenböcke und Prügelknaben herhalten.

 

 

 


 

 

Was Scheidungsväter von anderen Vätern unterscheidet

Gerhard Amendt beschreibt anhand von fünfzehn aufschlussreichen Fallbeispielen, wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben

Das Buch ist aus einer "Vaterstudie am Institut für Geschlechter- und Generationenforschung der Universität Bremen" entstanden und handelt von Ehe- und Partnerschaftsscheidungen, vom Leiden der Scheidungskinder und - in bewusster Einseitigkeit - vom Kampf der Scheidungsväter um ihre Kinder. Den Rezensenten störten zunächst der Väterblick und die häufige undifferenzierte Bezugnahme auf "die Gesellschaft". Aber nach eingehender Lektüre hat er sich zu einem eindeutigen Urteil durchgerungen: Das Buch ist gut. Wenn man es gelesen hat, kann man Scheidungen - auch die eigene - besser beurteilen und gegebenenfalls zu dem doppelten Schluss kommen, dass die Nachteile die Vorteile überwiegen mögen, dass diese Einsicht aber eine abstrakte bleibt, weil sie in der Regel nichts an den Verhältnissen ändert.

Die Einleitung wirbt für den Versuch, Scheidungsfolgenprobleme aus der Perspektive der Väter zu erörtern. Die zentrale Begründung: Frauen würden immer noch für "das schwache Geschlecht" gehalten. Ihnen zu "helfen" führe dazu, die Männer zu benachteiligen. Das ist empörend plausibel, kann aber nicht verdecken, dass der Verfasser nicht versucht, die Benachteiligung der Scheidungsväter im Vergleich zu den Scheidungsmüttern statistisch zu untermauern. Stattdessen breitet er fünfzehn Fallbeispiele aus.

Diese Scheidungsgeschichten, die etwa die Hälfte des Buches umfassen, sind ausgezeichnet erzählte, anschauliche Berichte, die nicht durch ihre Masse, sondern dadurch wirken, dass sie typische Situationen treffen, in denen sich jeder wiederfinden kann. Vor allem kommen nicht nur die geschiedenen Paare und ihre Kinder vor, sondern auch Gerichte, Jugendämter, Gutachter, Arbeitsplätze, Ärzte, Freunde und Verwandte, Nachbarn, Presse, Familien- und Psychotherapeuten, ganz wie im richtigen Leben. Diesen Grad an Komplexität können Statistiken nicht darstellen.

Bemerkenswerterweise haben die Sozial- und Jugendämter besonders bei den weniger gut ausgebildeten Männern einen miserablen Ruf. Diese Männer setzen auf die Behörden, finden aber bei den Ämtern wenig Verständnis, wenn sie sich von ihren Frauen ungerecht behandelt fühlen. Der Verfasser führt das darauf zurück, dass die Sozial- und Jugendämter vielfach mit Frauen besetzt sind, die den Müttern "helfen" wollen, bis hin zum Bündnis mit der Mutter gegen Vater und Gericht.

Frauenpolitik spielt auch hinein. Eine Mutter wollte verhindern, dass der Vater Umgang mit der gemeinsamen Tochter hatte. Sie behauptete deshalb, der Vater habe das Kind sexuell missbraucht. Aber dann wurde sie ihrerseits missbraucht: "Sie wurde zum Spielball einer feministischen Interessengruppe, die sie für ihre eigene politische Agitation instrumentalisierte, nämlich die vermeintliche Allgegenwart von sexuell übergriffigen Vätern öffentlichkeitswirksam zu beweisen." Es fand sich sogar ein Journalist, der die Mär anreicherte und in seiner Zeitung publizierte. Als die Staatsanwaltschaft daraufhin den Fall aufgriff, musste die Mutter zugeben, dass sie den Missbrauch erfunden hatte. Es ist ihr aber nichts geschehen. Weder zweifelten die Gerichte an ihrer Eignung, die Tochter zu erziehen, noch wurde sie wegen der Verleumdungen zur Rechenschaft gezogen.

Die andere Hälfte des Buches ist Einzelfragen gewidmet, deren Auswahl und Gewichtung die tiefe Vertrautheit des Verfassers mit den Problemen belegen. "Wie Väter die Besuchszeiten mit ihren Kindern verbringen" umschreibt in der Tat eine außerordentliche Schwierigkeit. Der Ausnahmecharakter des Besuches; der Umstand, dass das Kind faktisch die Wahl hat, ob es mehr zum Vater oder mehr zur Mutter geht; die damit verbundene Konkurrenzerfahrung des Vaters gegenüber der Mutter; der unterschiedliche Alltag und die Belastung der Kinder, beständig in zwei Welten zu leben - all das muss ausgeglichen werden. "Was Väter dazu bringt, den Kontakt zu ihren Kindern abzubrechen", kann zum Beispiel der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs sein.

Ein besonderes Glanzlicht ist der Abschnitt "Handgreiflichkeiten". Zu Handgreiflichkeiten kommt es laut Amendts Recherchen in einem knappen Drittel der gescheiterten Beziehungen. Heute verletzen Prügel die Persönlichkeit so schwer, dass sie die Wiederherstellung guter persönlicher Beziehungen kaum noch zulassen. Der Verfasser schließt denn auch mit dem reichlich abstrakten Trost, viele Konflikte seien lösbar.

Insgesamt ist das Bild, das Amendt zeichnet, traurig, aber wohl realistisch. Möglichkeiten, es aufzuhellen, gibt es nicht. Es ist nun einmal selbstverständlich, dass Eltern ihre persönliche Freiheit auch dann in Anspruch nehmen dürfen, wenn sie ihren Kindern dadurch Schmerz zufügen. Eine Aussage, die nicht etwa nur auf die Scheidung gemünzt ist, sondern eben auch auf ein zerstrittenes Ehe-Miteinander, das im unüberwindlich empfundenen Konfliktfall den späteren Anlass zur Scheidung gibt. Kinder sind hier wie da die Leidtragenden. Davon weiß in diesem empfehlenswerten Buch jeder geschiedene Mann ein Lied zu singen.

Gerd Roellecke

Gerhard Amendt: "Scheidungsväter". Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2006. 308 S., br., 24,90 [Euro].

 

 

Text: F.A.Z., 20.07.2007, Nr. 166 / Seite 39

 

 


 

 

 

 

Die Ohnmacht der Väter

Jan-Martin Wiarda

20.5.2004

Um ihn tobende Kinder, in ihm Aufruhr, an seinem Arm sein Junge, der nicht loslassen will. Da steht er, mitten auf dem Schulhof, hilflos. So steht er immer wieder da, das Bild wird er nicht los. „Papa, wann fahren wir zurück nach Berlin?“, hat sein Junge damals auf dem Schulhof gefragt. Da hat Peter Döring erst mal gar nichts gesagt, sondern Denis nur festgehalten. Wie soll man einem Sechsjährigen erklären, dass man sich machtlos fühlt als Vater, der doch immer stark ist und alles kann.

Das war vor zwei Jahren in Speyer. Das Kinderzimmer mit dem Hochbett in seiner Berliner Wohnung ist noch immer leer. Die Tür zum Flur steht offen, gegenüber ist die Wohnungstür, und jedes Mal, wenn Döring nach Hause kommt, streift sein Blick die hölzernen Stufen, die hinauf zum Hochbett führen. Er denkt an Denis, wie seine einstige Freundin Sabine ihn eines Tages von der Schule abgeholt hat und verschwand. Einfach so. Wie er verzweifelt telefoniert hat, alle hat er angerufen: Freunde, Jugendamt, Sabines Mutter. Bis er von Sabines Anwältin erfahren hat, dass die beiden in Speyer leben. Döring ist sofort ins Auto gestiegen und hingefahren, hat die Schulen abgeklappert, und da stand er auf dem Schulhof. Das war der Anfang seines Kampfes um das Sorgerecht, der bis heute andauert. Als Döring am nächsten Tag wiederkam, wartete nicht sein Sohn auf ihn, sondern die Polizei. Sabine hatte ihn wegen versuchter Kindesentführung angezeigt.

Döring ist das, was Sozialwissenschaftler einen Trennungsvater nennen. Über Trennungsväter, noch dazu über unverheiratete wie Döring, hört man immer wieder die gleichen Geschichten: dass sie verschwinden, am besten mit einer Jüngeren, dass sie keinen Unterhalt zahlen. Das sind nicht alles Vorurteile, das belegen Zahlen des Senats: 30000 Kinder müssen in Berlin ohne Alimente auskommen. Für ihre Versorgung schießt das Land jährlich knapp 43 Millionen Euro zu.

Doch den anderen Trennungsvater, der leidet, der sich kümmern will, den gibt es natürlich auch. 25 Jahre ist es her, seitdem Dustin Hoffman ihn im Film „Kramer gegen Kramer“ verkörpert hat: einen Vater, der alles tut, um nicht von seinem Sohn getrennt zu werden. Weil ihn schon der Gedanke verrückt macht, den Kleinen nicht mehr ins Bett bringen zu können. Damals hat der Film für Aufsehen gesorgt, stellte er doch die traditionelle Rollenverteilung in Frage.

Der Psychologieprofessor Gerhardt Amendt sagt, Väter litten genauso stark unter der Trennung von ihren Kinder wie Mütter. Überdurchschnittlich viele Trennungsväter werden arbeitslos. Doch trotz aller Studien, die eine Gleichbehandlung der Eltern im Fall der Trennung nahe legen, – 85 Prozent der Scheidungskinder leben bei der Mutter, und jedes vierte Kind verliert im ersten Jahr nach der Scheidung den Kontakt zum Vater. „Die Scheidung bedeutet für die meisten Männer eine große Krise in ihrem Selbstverständnis“, sagt Amendt, der die Erfahrungen von 3500 Trennungsvätern dokumentiert hat.

Peter Döring weiß das alles. Nach jedem Satz macht er eine Pause, und wenn es ganz wichtig wird, kneift er kurz die Augen zusammen oder streicht sich übers schüttere Haar. Kaum zu glauben, dass so einer Ärger haben kann, aber das ist das Vertrackte: Es gibt Konflikte, da versagt der Versuch einer objektiven Beschreibung. Einer Beschreibung, die beiden Seiten gerecht wird.

Was bleibt, sind Dörings Erinnerungen. Das Zeltlager in Ungarn zum Beispiel: mitten im Wald, kein Strom, kein Wasser. Ein paar hundert Erwachsene und Kinder. Döring, Sabine – und Denis. Da war er gerade vier, und Feuer war das Spannendste überhaupt. Und so haben sie jeden Abend Holz gehackt und angezündet, und dann haben sie einfach dagesessen. Ein andermal waren sie in der Türkei, sind auf dem Meer herumgeschippert. Denis durfte das Steuer des Motorboots halten. „Das war das Größte für ihn. Er ist eine Wasserratte“, sagt Döring. Und ist mit einem Mal wieder im Jetzt angekommen. Denn nebenan im Kinderzimmer hängt die Weltkarte, vor der er mit Denis gestanden hat und ihm immer wieder die Länder zeigen sollte, in denen sie gewesen sind: Ungarn, Türkei, Kroatien, Österreich. Die Karte ist noch da. Am Kühlschrank in der Küche klebt ein Foto, auf dem hockt ein Junge mit hellblondem Haar auf einem Schuppendach und grinst Döring an, wenn er sich was zu essen macht. Denis. Heute ist er acht.

Döring, der 47-jährige Ethnologe, ist vor einem Jahr Vorsitzender des Berliner Landesverbands von „Väteraufbruch für Kinder“ geworden – einem Selbsthilfeverein. Seitdem fühlt er sich nicht mehr so machtlos. Einmal die Woche treffen sich die Väter zum Stammtisch. Wobei Stammtisch vielleicht das falsche Wort ist, denn es sind nie die gleichen zehn, 15 Männer, die sich an dem Holztisch niederlassen. Die meisten kommen, sehen erleichtert, dass es anderen auch so geht wie ihnen, und gehen wieder. Da ist immer einer, der sich Gedanken macht, wie er aus dem Kredit fürs Haus rauskommt. Wobei das zu ertragen wäre, gäbe es nicht diese Vorwürfe. Mein Mann hat sich nie für uns interessiert. Oder: Mein Mann ist gewalttätig. Oder, und das ist die ultimative Waffe: Mein Mann hat sich an unserem Kind vergangen. Das sind die „Standardvorwürfe“, wie Amendt sie nennt. Natürlich nehmen Gerichte sie sehr ernst, auch wenn sich der Missbrauchsverdacht in 96 Prozent der Fälle als unhaltbar erweist. „Und natürlich“, sagt Döring“, gibt es keinen Vorwurf, der einen hilfloser macht.“

Die Attacken zielen darauf ab, sich vor Gericht die alleinige Sorge zu erstreiten. Dank des neuen Kindschaftsrechts ist das schwieriger geworden: Heute erteilen die Gerichte in 85 Prozent der Fälle das gemeinsame Sorgerecht. Auch die Kontaktabbrüche der Väter gehen drastisch zurück, seit sie nicht mehr das Gefühl haben, „entsorgt“ worden zu sein. „Das neue Kindschaftsrecht ist ein Erfolg“, sagt der Rektor der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg Roland Proksch. Er hat für die Bundesregierung Familienrichter, Jugendämter, Rechtsanwälte und Eltern nach ihren Erfahrungen mit dem neuen Gesetz befragt. „Es definiert das Umgangsrecht nicht mehr als ein Recht der Eltern, sondern als ein Recht des Kindes auf Umgang mit beiden Elternteilen.“

Doch auch wenn sich vieles gebessert hat, da ist noch die Situation unverheirateter Väter: Noch immer gilt der Paragraph 1626a des Bürgerlichen Gesetzbuchs, der besagt, dass die Mutter alleine „die elterliche Sorge“ hat – es sei denn, sie teilt sie freiwillig mit dem Vater. Solange dies Gesetz ist, hat Peter Döring schlechte Karten. Da macht es wenig Unterschied, dass Denis vor seinem plötzlichen Verschwinden sein Kinderzimmer inklusive Ritterrüstung, Bücherkoffer und Weltkarte bei seinem Vater hatte, und sich seine Mutter, wie Döring sagt, manchmal tagelang nicht blicken ließ. Er stockt plötzlich.

Gerade hat Döring vor Gericht einen Rückschlag erlitten. Seinen Antrag, den Richter wegen Untätigkeit zu rügen, hat das Oberlandesgericht abgelehnt. Das Verfahren dauert schon über zwei Jahre. Aber vielleicht wird doch noch alles gut, sagt Döring. Vielleicht entscheidet sich der Richter für das gemeinsame Sorgerecht. Vielleicht wird eines Tages sogar der Paragraph 1626a abgeschafft. Es wäre schon gut, wenn er seinem Sohn einmal anrufen könnte, ihm sagen: „Morgen. Morgen fahren wir zurück nach Berlin.“ Und sei es nur für einen Tag.

http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dritte-Seite;art705,2128934

 

 

 

 


 

 

 

Verlassene Väter

- Die innerseelische Situation und das Bewältigungsverhalten von Männern nach einer ungewollten Trennung von Frau und Kindern -

Eine empirische Untersuchung auf der Basis von Gesprächen und einer Fragebogen - Erhebung

Dissertation

zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg

vorgelegt von Herbert Pagels aus Hamburg

 

Download:

http://www.vaeter-aktuell.de/Pagels-Studie.zip

 

15,5 MB

Info. 6.7.2002

 

 


 

 

Buchempfehlung für Trennungsväter

 

 

"Geliebte Jessica, geliebter Daniel

Briefe vom verlorenen Vater"

Tim Feyerabend:

agenda 2001, 143 Seiten, 29,80 DM, ISBN 3-89688-0950

Jeden Morgen sind Jessica und Daniel neben ihrenm Vater aufgewacht, haben mit ihm die Welt erobert, sind in seinen Armen eingeschlafen. Jetzt drohen ihre Seelen zu zerreißen. Tim, unehelicher Vater von zwei Kindern, muss seine junge Familie verlassen. Viola, die Mutter, bezieht eine neue Wohnung, will ihre Kinder zukünftig allein aufziehen. Zwar sucht Tim hartnäckig den Umgang mit seinen Kindern. Doch wachsender Widerstand der Mutter führt zu eskalierender Feindseligkeit auf beiden Seiten.

Jugendämter, Polizei, Anwälte und Gericht verhindern nicht, dass die Kinder ihren Vater verlieren. Ungeschönt fasst der Autor seine Betroffenheit in Worte. Eine in ihrer Alltäglichkeit zunächst belanglos anmutende Trennungssituation wird in ihrer Dramatik nachvollziehbar. Liebe, Ohnmacht, Rücksichtslosigkeit und Gewaltbereitschaft entwickeln sich zur existenziellen Krise für alle Beteiligten.

Die authentischen Tagebuchaufzeichnungen Tim Feyerabends bewegen, erschüttern, polarisieren. Kein Ratgeber, sondern eine fesselnde, subjektive Dokumentation je´ner tragischen Dynamik, die sich tausendfach im privaten Raum verborgen hält.

Der Autor:

Tim Feyerabend, geb. 26.1.1964 in Berlin, wächst im Süden Deutschlands auf. Er ist als Kraftfahrer und Fotograf tätig, schließt ein sozial- wie naturwissenschaftliches Studium ab und arbeitet heute als Journalist. Ursprünglich als private Notizen angelegt, stellt er sein Tagebuch hiermit publizistisch zur Diskussion.

 

aus www.bol.de:

Der Autor über sein Buch:

Schon als ich Auszüge meines Tagebuches vor ihrer Veröffentlichung Bekannten vorlegte, wurde klar: diese Aufzeichnungen polarisieren. "Viel Hass", "große Liebe", "erschütternd", "die arme Frau", "klare Sprache", "durcheinander", "spannend". Leserinnen identifizieren sich bevorzugt mit Viola, der Mutter, beschimpfen mich und legen das Buch empört aus der Hand.

Betroffene Väter bestätigen, ganz Ähnliches wie ich durchlebt zu haben. Interessenvertreter der Väter-Bewegung möchten das aggressive Potenzial verschwiegen wissen. - Divergierende Positionen, leidenschaftlich vertreten. Gut so. Emotionales Engagement ist die Voraussetzung für eine ernsthafte Diskussion. Jeden Tag erneut sind in Deutschland mehrere hundert Kinder vom Verlust eines Elternteils betroffen. Ihr Leiden - und das der ausgegrenzten Väter und Mütter - gilt es zu thematisieren. Nicht anhand von Statistiken. Sondern durch schonungslose Offenlegung dessen, was sich hinter der Fassade aus Emanzipation, Ignoranz und Selbstgerechtigkeit in zerbrechenden Familien dramatisch entfaltet. Dazu leistet mein Buch einen exemplarischen Beitrag.

25.03.2001

Spannend, bewegend, bedeutsam:

Der Autor verlässt auf Betreiben seiner Frau die Familie. Ihm droht vollständiger Kontaktverlust zu seinen kleinen Kindern. Liebe, Verantwortungsgefühl und gute Absichten münden in Ohnmacht und Gewaltbereitschaft. Alkoholkonsum der Mutter, übereifrige Großeltern und behördliches Desinteresse schaffen ein explosives Spannungsfeld, das Feyerabend unverblümt in Worte fasst. Was Karin Jäckel in ihrem Bestseller vom "gebrauchten Mann" im statistischen Querschnitt referiert, wird hier beispielhaft am Einzelfall nachvollziehbar. Ein provozierendes Buch, das polarisiert und zur Diskussion anregt.

 

aus www.amazon.de:

JDJ MEYBERG @ aol.com aus Münster/BRD , 15. März 2001

Aktuelles Thema fesselnd bearbeitet und dargestellt.

Der Autor schildert seine vielfältigen Erfahrungen, die er sammeln musste, nachdem ihm sukzessive der Zugang zu seinen Kindern verwehrt wurde. Er wendet sich an verschiedene öffentliche Einrichtungen, sucht gegen Widerstände den Kontakt zu seiner Tochter und seinem Sohn - und wird auf seine Ohnmacht verwiesen. Erschütternd beschreibt er die Irritationen seiner Kinder und sein eigenes Leiden. Erschreckend: das Gewaltpotenzial, das er gegen die Mutter entwickelt. Ein Buch, das viele Leserinnen vermutlich empören wird. Und vielen betroffenen Lesern aus der Seele sprechen dürfte - mit bemerkenswerter Schonungslosigkeit. Was Karin Jäckel in ihrem Buch vom "gebrauchten Mann" als gleichsam statistischen Querschnitt präsentiert, wird bei Feyerabend exemplarisch in der Tiefe bearbeitet und versteht durch Eindringlichkeit zu überzeugen.

 

 


 

 

 

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Psychologisches Institut

DIE PSYCHOSOZIALE SITUATION NICHTSORGEBERECHTIGTER VÄTER

Betreuer: Dr. E. Furch-Krafft und Prof. Dr. F. Buggle

Ursula Ofuatey-Kodjoe und Simone Wiestler

Freiburg, im April 1994

“ Der Vater ist das Dach des Hauses ”

(vietnamesisches Sprichwort )

 

 

INHALTSVERZEICHNIS Seite

 

VORWORT 1

A. LITERATURTEIL

1. PSYCHOSOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN

1.1. Relevanz des Themas 3

1.2. Die historische Entwicklung der Familie 5

1.3. Familienbeziehungen 9

1.3.1. Familienbeziehungen aus systemischer Sicht 12

1.3.2. Familienbeziehungen aus rechtlicher Sicht 15

1.4. Die gesellschaftliche Entwicklung der Vaterrolle 16

1.4.1. Verhaltensmuster der Männer 19

1.4.2. Verhaltensmuster der Frauen 22

1.4.3. Widerstände im sozialen Umfeld 23

1.5. Die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung des Kindes 24

1.5.1. Kleinkinder 24

1.5.2. Ältere Kinder 27

1.5.3. Die Auswirkungen der Abwesenheit von Vätern 29

1.6. Die Entwicklung der Vateridentität 33

1.7. Reaktionen auf die Scheidung 38

1.8. Zusammenfassung 44

2. RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN

2.1. Trennung und Scheidung 46

2.2. Scheidungsstatistik 50

2.3. Familienrecht 54

2.3.1. Alte Bundesländer 54

2.3.2. Neue Bundesländer 58

2.4. Sorgerecht 59

2.5. Rechte nichtsorgeberechtigter Väter und Mütter 64

2.6. Judikation 68

2.6.1. Familienrichter 70

2.6.2. Rechtsanwälte 71

2.6.3. Jugendämter 72

2.6.4. Gutachter 74

2.7. Psychologie und Gesetzgebung 75

2.8. Zusammenfassung 79

3. STAND DER FORSCHUNG

3.1. Entwicklung der Vater-Kind-Forschung 81

3.1.1. Barrieren der frühen Vaterforschung 81

3.1.2. Phasen der Vater-Kind-Forschung 82

3.2. Nichtsorgeberechtigte Väter 83

3.2.1. Emotionale und psychosomatische Probleme 83

3.2.2. Alltagsprobleme 85

3.2.3. Soziales Umfeld 86

3.2.4. Beziehung zur geschiedenen Ehefrau 87

3.2.5. Beziehung zu den Kindern 90

3.2.6. Identität und Vaterrolle 93

3.3. Zusammenfassung 95

4. ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

4.1. Organisation von Vätern 96

4.1.1. ISUV/VDU Interessenverband Unterhalt und Familienrecht 98

4.1.2. DIALOG zum Wohle des Kindes e.V. 99

4.1.3. Verein Humane Trennung und Scheidung e.V. 101

4.1.4. Väteraufbruch für Kinder e.V. 103

4.1.5. Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. . 103

4.2.(Selbst-)Darstellungen in den öffentlichen Medien 104

4.2.1. Dokumentarfilme 104

4.2.2. Diskussionsrunden 107

4.2.3. Zusammenfassung 109

B. DIE EIGENE EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG

1. METHODIK

1.1. Fragestellung und Hypothesenbildung 110

1.1.1. Fragestellung 110

1.1.2. Ableitung der Hypothesen 112

1.2. Entwicklung des Erhebungsinstruments 113

1.2.1. Zielsetzungen 113

1.2.1.1. Methodische Zielsetzungen 113

1.2.1.2. Inhaltliche Zielsetzungen 113

1.2.2. Pretest 114

1.2.3. Endgültige Fassung 115

1.3. Durchführung 117

1.3.1. Datenerhebung und Fragebogenrücklauf 117

1.3.2. Stichprobe 118

1.4. Statistische Auswertung 119

2. ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNG

2.1. Reaktionen der Befragten auf die Untersuchung 120

2.1.1. Voruntersuchung 120

2.1.2. Untersuchung 121

2.1.2.1. Telefongespräche 121

2.1.2.2. Zuschriften 122

2.1.2.3. Zusammenfassung 123

2.2. Beschreibung der Stichprobe 124

2.3. Einzelergebnisse 126

2.3.1. Biographische Daten 126

2.3.2. Sorgerecht und Umgangsrecht 129

2.3.3. Kontakt zu den Kindern 131

2.3.4. Trennung von den Kindern 134

2.3.5. Kontaktbehinderung 136

2.3.6. Rolle und Identität des Vaters 139

2.3.7. Lebenszufriedenheit 148

2.3.8. Körperliche Beschwerden 150

2.3.9. Fragen zum Sorge- und Umgangsrecht 152

2.4. Ergebnisse des Gruppenvergleichs 155

2.5. Überblick der Ergebnisse und deren Interpretation

im Zusammenhang mit den Hypothesen 159

2.6. Diskussion 180

3. LITERATURVERZEICHNIS 184

4. ANHANG 190

 

VORWORT

Väter ohne Sorgerecht ist ein bisher wenig beachtetes Thema. In der Literatur über rechtliche Grundlagen und psychologische Auswirkungen von Trennung und Scheidung führt der Vater ein Schattendasein. Nur in wenigen Büchern ist ihm und seiner Situation ein eigenes Kapitel gewidmet. Ein einziges Buch: ,Väter” von Fthenakis, W.E. (1985) behandelt ausschließlich seine Situation.

Es stellte sich daher die Frage : Wie bewältigen Väter die mit einer Scheidung verbundenen, veränderten Lebensumstände, insbesondere die Trennung von ihren Kindern? Wie gehen sie mit ihren Verletzungen um, mit ihrer Trauer, mit ihrer Wut? Welche Vorstellungen haben sie von der zukünftigen Beziehung zu ihren Kindern, wie verändern sich diese Vorstellungen im Laufe der ersten Monate und Jahre gelebter äußerer Trennung, wie verändern sich die Väter selbst mit diesen und durch diese Erfahrungen?

An drei Zahlen wird die Dynamik des Themas deutlich. Die ersten beiden sind aus dem statistischen Jahrbuch 1989, die dritte aus einer Untersuchung zur Scheidungsproblematik von A. Napp-Peters (1988):

• 66% der 1989 in der BRD gestellten Scheidungsanträge gingen von Frauen aus

• 92% der Mütter erhielten 1989 das alleinige Sorgerecht über ihre Kinder

• 54% der Väter aus Scheidungsfamilien brachen ein bis zwei Jahre nach der Scheidung den

Kontakt zu ihren Kindern vollständig ab

Allein bei oberflächlicher Betrachtung ergibt sich hier ein hoher Prozentsatz von gegen ihren Willen geschiedenen und gegen ihren Willen von ihren Kindern getrennten Vätern, die nach kurzer Zeit ihre Kinder nicht mehr sehen. Einfach wäre es, daraus auf väterliches Desinteresse, Lieblosigkeit und Egoismus zu schließen. Die Frage ist, ob dieser Schluß der Identität, dem Rollenverständnis und der gesamten Vaterrealität der betroffenen Männer gerecht wird. Was geschieht also mit den geschiedenen Vätern und ihren Kindern?

Gesicherte Erkenntnis sind heute die Verlassenheits- und Verlustgefühle der Trennungskinder, die den Vater durch die Scheidung unwiederbringlich verloren haben und die gewaltige Aufgabe, die es bedeutet, diese Kindheitsverletzungen zu verarbeiten. Kaum Erkenntnisse gibt es jedoch über die Gefühle, Motivationen und Kognitionen des Vaters, der Verlassender und Verlassener zugleich ist.

Schon bei Gesprächen über unsere Absicht, die Situation der nichtsorgeberechtigten Väter zum Thema einer Diplomarbeit zu machen, zeigten sich eine Reihe erstaunlicher Reaktionen, die alle einen gemeinsamen Tenor hatten: Warum beschäftigen sich zwei Frauen mit einem derart männerspezifischen Thema? Auf männlicher Seite waren Verwunderung und Mißtrauen, aber auch Anerkennung und Begeisterung zu spüren. Einige Frauen reagierten mit Abwehr über den "Verrat an der Unantastbarkeit der guten Mutter”. Viele betroffene Väter waren nach anfänglicher Vorsicht bereit, über ihre eigenen Erfahrungen zu sprechen und sicherten uns ihre Mitarbeit bei der späteren Untersuchung zu. Es war ermutigend, auf so viel Interesse für eine Arbeit zu stoßen, die noch nicht begonnen war.

Zur Zusammensetzung des Autorenteams dieser Diplomarbeit ist zu sagen, daß es sich aus zwei Generationen und zwei Erfahrungswelten zusammensetzt:

eine ledige, kinderlose Diplomandin von Ende zwanzig, und eine geschiedene, alleinerziehende Mutter von drei Kindern von Mitte vierzig.

 

 

 

 


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