Väter

Vater


 

 

 

 

 

19.12.2015

Psychologie

Lasst die Väter ran!

 

Von Kullmann, Kerstin

 

Studien belegen: Männer zeigen in der Erziehung eigene Qualitäten, die für die Kinder wichtig sind. Noch müssen die neuen Väter ihre Rolle aber erst finden. Überraschend oft sind es die Mütter, die sie daran hindern.

 

Was ist ein guter Vater? "Ich weiß es nicht", sagt Alexander Herbst. "Was ich aber weiß, ist, dass ich keine zweite Mutter sein will."

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http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-140508788.html

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Lust und Liebe Vater sein: Gestalte die Rolle deines Lebens

Ansgar Röhrbein (Autor)

Verlag: Carl-Auer; Auflage: 1., Aufl. (März 2010)

 

 

 

Nicky Marone: Gute Väter, selbstbewusste Töchter, Die Bedeutung des Vaters für die Erziehung

Fischer Ratgeber, Frankfurt am Main, Januar 1998

 

 

 

Horst Petri: Das Drama der Vaterentbehrung;

Herder/Spektrum; Herder Freiburg, Basel, Wien 1999

 

 

 

"Kinder mit nicht-sorgeberechtigten Vätern - Zusammenfassung soziologischer und sozialpsychologischer Forschungsergebnisse"

Rosemarie Nave-Herz

in: "Familie und Recht", 2/1995, S. 102-106

 

 

 

Söhne wollen Väter. Wider die weibliche Umklammerung.

von Wilfried Wieck

Fischer-TB.-Vlg., Ffm; Auflage: N.-A. (1994)

 

 

 

"Väter sind anders als ihr Image: schwierige Rollenfindung und mangelnde gesellschaftliche Achtung."

Horst Petri in: 

"Theorie und Praxis der Sozialpädagogik", 3/2000, S.52-55

 

e-mail Redaktion: tps.redaktion@t-online.de

 

 

 


 

 

 

Mehr Zeit für Kinder plant neues Buchprojekt: Mein Papa und ich!

Wie verbringen Väter die Zeit mit ihren Kindern am liebsten? Welche Glücksmomente erleben Väter? Wie fühlen sie sich in ihrer Vaterrolle? Und was möchten Kinder gern über ihren Papa erzählen?

Der bundesweit aktive Verein Mehr Zeit für Kinder plant unter dem Motto „Mein Papa und ich!" für das Frühjahr 2006 einen neuen Familienratgeber. In das farbenfrohe Buch sollen auch Zuschriften von Familien Eingang finden. Der Mitmachaufruf richtet sich an Väter von Kindern aller Altersstufen. Auch Zuschriften von Müttern, Großeltern und von Kindern sind ausdrücklich erwünscht. Ob Briefe, Fotos oder Zeichnungen, ob kurze Erfahrungsberichte oder Spielideen – der Mehr Zeit für Kinder e.V. freut sich auf eine rege Beteiligung. Auch Einsendungen von Schulklassen sind willkommen, wenn jedes Kind sich mit einer eigenen Zuschrift beteiligt.

Die Zuschriften entweder per Post schicken an: Mehr Zeit für Kinder e.V., Fellnerstraße 12, 60322 Frankfurt oder per E-Mail an papa@mzfk.de. Einsendeschluss ist der 31. Dezember 2005.

Quelle: ots-Originaltext vom 14.11.2005

 

 


 

 

 

Mein Papa und ich

Während das sogenannte Bundesfamilienministerium (Frauenministerium) in weitestgehender Verhaltensstarre die Diskriminierung von Vaterschaft in Deutschland ignoriert, handelt erfreulicherweise die Wirtschaft. 

So plakatiert die Firma Märklin derzeit mit dem Text: 

Fernsehverbot! ... Für Papa

Mehr Zeit für Kinder.

www.mein-papa-und-ich.de

 

Man sollte mal überlegen, ob die Firmenleitung von Märklin nicht mal komplett für ein Jahr ins Bundesfamilienministerium wechselt und die dortige Führungsriege dafür an einem einjährigen Praktikum beim Bundesvorstand des Väteraufbruch für Kinder e.V. teilnimmt. Das wäre sicher mal ein wirklich innovativer Schritt auf dem Weg ins neue Jahrtausend. Hinterher wäre die Führungsmannschaft des Bundesfamilienministerium wie verwandelt und würde endlich mal die notwendigen Gesetzesvorlagen für die Abstimmung im Bundestag ausarbeiten, um die menschenrechtsverletzende Väterdiskriminierung in Deutschland zu beenden..

14.11.2005

 

 

 

 


 

 

 

"Väter - eine noch unerschlossene Ressource und Zielgruppe in der Sozialen Arbeit mit Kindern und ihren Familien"

Michael Matzner

In: "Neue Praxis", 6/2005, S. 587-610

 

 

 


 

 

"Welcher Papa ist der beste?"

Buch-Tipps für aktive Väter als Lese-Empfehlungsliste

 

"Damit die Väter von Anfang an das richtige Buch lesen." So begründet der Hildener Vorlese-Vater und Buchrezensent Christian Meyn-Schwarze sein neues Projekt: Eine "Papa-Liste" mit über zweihundert lieferbaren Büchern und anderen Medien, die sich vor allem an Väter wendet. Der Erziehungszeit-Vater und Hausmann stellt vor: informative Ratgeber für werdende Väter, Unterhaltsames und Amüsantes für genervte Männer mit dem Baby bis zu wunderschönen Bilderbüchern, in denen Väter mit ihren Kindern die Hauptrolle spielen. Zu besseren Orientierung ist die Liste in einzelne Rubriken nach Alter des Kindes aufgeteilt, beginnend mit dem "Vater mit Baby", dann bis zum Kindergarteneintritt, Bilderbücher für Papas und Kindergartenkinder, es folgen Vorlese- und Erstlesebücher für Schulkinder und schließlich erste anspruchsvolle Literatur für Jugendliche, in denen der Vater eine zentrale Rolle spielt.

In einem weiteren Kapiteln werden Bilderbücher vorgestellt, die Kindern helfen, wenn der Vater auszieht. Ergänzend gibt es Buchtipps für alleinerziehende Väter oder "soziale Väter", die ein Kind adoptiert oder als Pflegekind in ihre Familie aufgenommen haben.

Und weil sich immer mehr Großväter bewußt Zeit für ihre Enkelkinder nehmen, werden auch Bücher für aktive Opas vorgestellt.

Damit die Ideen für Spiel & Spaß und kindgemäße Förderung nicht ausgehen, nennt der Rezensent gleich geeignete Beschäftigungsbücher, Musikkassetten und CD´s für die aktive Freizeitgestaltung der Väter und Großväter mit ihren Kindern bzw. Enkeln.

Die kopierte 62seitige Empfehlungsliste mit zurzeit 250 Titeln kostet 2 EUR zuzüglich 1 EUR Versandkosten und kann bestellt werden bei

Christian Meyn-Schwarze, Gerresheimer Str. 63, 40721 Hilden,

E-mail: meynschwarze@compuserve.de

 

11.06.2003

 

 


 

"Feministische Studien" zum Thema Männlichkeiten

Ein lobens- und lesenswerter Beitrag von Frauen in einer ansonsten auch von Frauen geschaffenen recht väter- und männerfeindlicher Bleiwüste. In Heft 2/2000 der "Feministischen Studien" finden sich fünf Beiträge zum Thema Männlichkeiten, ausserdem drei Literaturberichte, z.B. "Vernachlässigte Väter? Vaterschaft in der Sozial und Familienpolitik Schwedens und der Bundesrepublik Deutschland seit der Nachkriegszeit", von Wiebke Kolbe und "Vaterkrise, Vatersuche, Vatersehnsucht. Zur aktuellen Debatte um die Väter." von Meike Sophia Baader.

Homepage: www.rz.uni-frankfurt.de/~wischerm

e-mail: stuby@mbox.anglistik.uni-hannover.de

 

 


 

 

 

GEO Magazin Nr. 01/01 - Väter - besser als ihr Ruf

Das neue Bild vom Vater

Familienforscher haben herausgefunden: Die Wichtigkeit der Mutter bei der Kindererziehung wird reichlich überschätzt. Ohne Väter ist kein Nachwuchs richtig fit fürs Leben

Ein Psychologenteam um Karin Grossmann und Heinz Kindler von der Universität Regensburg hat wissenschaftliche Aufzeichnungen ausgewertet, die den Umgang verschiedener Väter mit ihren Kindern über viele Jahre hinweg dokumentieren. Die bisherigen Erkenntnisse der Forscher: Die Feinfühligkeit des Vaters beim Spiel, etwa mit Zweijährigen, korreliert extrem stark und eindeutig mit dem Bindungsverhalten der Kinder noch im Alter von 16 und 22 Jahren. Je sensibler der Vater das Kleinkind behandelt, desto sicherer geht der junge Erwachsene mit emotionalen Bindungen um.

© Anna Neumann / laif

Mehr noch: Als Erwachsene reproduzieren die Kinder in ihren Beziehungen ziemlich genau jenes Verhalten, das die Väter ihnen gegenüber im Spiel gezeigt haben. Ist der Papa dem Kind gegenüber geduldig, aufmerksam und zugewandt, so sind es 22-Jährige ihren Partnern gegenüber auch; sie vertrauen ihnen mehr, sind offener, emotional erfüllter und wenden sich öfter an Mitmenschen um Hilfe und Zuspruch. Kinder von unsensiblen Vätern haben dagegen weit mehr Probleme in Partnerschaften, sind zugeknöpfter, misstrauischer. Und noch ein Ergebnis: Die Spiel-Feinfühligkeit der Mutter spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Die Suche nach der Wahrheit über das Wesen des Vaters ist schwer. Zu viele Vorurteile verstellen den Blick: vom angeblich abwesenden, faulen, säumigen, gewalttätigen Vater, vom Versager-Vater, vom Zerfall der Familie, vom Ende der Elternschaft...

Wie sieht sie nun also aus, die Wahrheit über Väter?

Die Biologie

Die Vater-Kind-Bindung ist seit Menschengedenken dort schwach, wo strikte Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern, hoher Überlebensdruck und/oder häufig Krieg herrschen. Und sie ist ausgeprägt, wo Frauen gleichermaßen zum Unterhalt der Familie beitragen wie Männer - etwa in Jäger- und Sammlergesellschaften. Entsprechend forciert die steigende weibliche Erwerbstätigkeit die zunehmende Väterbeteiligung im 21. Jahrhundert: Je mehr Frau arbeitet, desto stärker muss Mann ran.

Aber kann er das?, wird traditionell gefragt. Mangelt es ihm für die Kinderaufzucht nicht an biologischer Sensibilität, sind Mütter nicht von Natur aus besser darauf vorbereitet?

© Jonathan Blair / Corbis

Die hormonelle Achterbahnfahrt, die eine Frau während der Schwangerschaft durchmacht, galt lange Zeit gleichsam als biochemische Aufwärmphase für die ganz spezielle Mutter-Kind-Bindung. Seit kurzem aber weiß man, dass werdende Väter ganz ähnliche Hormonausschläge erleben, nur mit geringerer Amplitude. Auch ihr Hormonspiegel schwankt erheblich und folgt dabei ziemlich genau dem Muster der Schwangeren.

Verschiedene Studien zeigten zudem, dass bis zu 65 Prozent aller werdenden Erstväter deutliche Schwangerschaftssymptome erleben: Müdigkeit, Appetitschübe, Stimmungswechsel, Kopfschmerzen. Viele erfahren psychische Wechselbäder, fallen in Depression - was auch damit zusammenhängen mag, dass sich Männer während der Schwangerschaft mindestens ebenso große Zukunftssorgen machen wie Frauen.

Ist das Kind auf der Welt, knüpft im Normalfall der Vater zu ihm gleich starke emotionale Bindungen wie die Mutter und ist im Umgang mit ihm genauso kompetent. Ross Parke, ein führender Vaterforscher an der Universität von Kalifornien, hat Väter mit Neugeborenen eingehend in Laborsituationen und zu Hause beobachtet: Sie sprechen genauso viel mit ihren Babys, küssen sie genauso oft, spielen mit ihnen genauso lange wie Mütter. Nur lachen sie ihr Kind weniger häufig an - aber Frauen, das ist gut belegt, lachen ohnehin im gesamten Leben mehr als Männer.

Mehr noch und besonders ruinös für die Position der Biologisten: In Reaktion auf ein schreiendes Kind steigen sowohl bei Frauen wie bei Männern Herzschlag, Blutdruck und Hauttemperatur, während sie bei einem lächelnden Baby unverändert bleiben. Auch bei Parametern also, die noch am ehesten als "naturgegeben" gelten mögen, lassen sich keine Geschlechtsdifferenzen finden.

"Mit Ausnahme des Stillens gibt es keinerlei Hinweis, dass Frauen biologisch prädisponiert sind, die besseren Eltern zu sein", so das Fazit on Michael Lamb. "Nicht biologische Imperative, sondern soziale Konventionen erzeugen die traditionelle Teilung elterlicher Verantwortung."

Das spiegelt sich im Verhalten der Kinder. Sie betrachten Vater und Mutter als gleichrangig. Allerdings: Am Ende des ersten Lebensjahres, so hat man herausgefunden, protestieren Kinder bei Trennungen insgesamt weniger, wenn der Vater eine gute Beziehung zu ihnen pflegt - ein Hinweis darauf, wie wichtig Väter für das Weltvertrauen von Kindern sind.

Mit anderen Worten: Vater und Mutter verfügen über gleiche biologische Kompetenzen. Aber sie nutzen ihre Fähigkeiten auf unterschiedliche Weisen. Deshalb bewohnen sie im Universum der Kinder verschiedene Galaxien.

Wie sieht die des Vaters aus?

Die Papa-Galaxie

Väter verwenden einen wesentlich größeren Anteil ihrer Zeit aufs Spielen als Mütter - und erheblich weniger Zeit auf Hausarbeit. Daher die oft geäußerte weibliche Schelte: Väter picken sich mit den Kindern nur die Rosinen heraus. Doch die Ungerechtigkeit gegenüber der Frau ist ein Segen für das Kind. Weil Väter anders spielen. Überraschender, unvorhersehbarer, herausfordernder. Und das treibt das Kindeswohl entscheidend voran.

Väter setzen beim Spiel seltener Spielzeug ein und häufiger sich selbst. Anders als Mütter, deren Körper die Kinder während Schwangerschaft und Stillphase "nutzen", stellen Väter den ihren vor allem beim Herumtollen zur Verfügung. Und erzeugen so, wie Michael Yogman und Berry Brazelton in Laborversuchen analysierten, ganz andere Stimulationszyklen: rasantere, dramatischere, mit kühnerem Wechsel zwischen Ruhe und Aufregung.

Mütter reden mehr, sind didaktischer, folgen eher konventionellen Spielen (Hoppe-Hoppe-Reiter); Väter erfinden neue Spiele, sind anregender, anstrengender. In einer Untersuchung mit Zweieinhalbjährigen bevorzugten zwei Drittel den Vater als Spielkameraden. Möglicherweise spüren Kinder intuitiv, wie wichtig diese Art der Stimulation für ihr Fortkommen ist.

Aus all dem folgern Wissenschaftler, dass Väter und Mütter unterschiedliche Aspekte der kindlichen Entwicklung beeinflussen - und so einander gut ergänzen. Diverse Studien haben ergeben, dass Frauen vor allem die innere Gefühlswelt der Kinder regulieren, dass etwa ihr Umgang mit den negativen Emotionen des Kindes (Traurigkeit, Angst) hoch relevant für dessen zukünftiges Sozialverhalten ist. Männer steuern dagegen eher den "explorativen" Aspekt der Entwicklung, den "Weltbezug", also all das, was Kinder fit macht, mit den Anforderungen der Umwelt zurechtzukommen.

© Veit Mette / laif

Väter sind gewiefte Experten darin, eben diese Neugier und den Durchhaltewillen ihrer Kinder zu fördern. Sie ermutigen sie eher als Mütter, Ungewohntes auszuprobieren, muten ihnen mehr zu. Väter heben ein Kind wieder auf ein Fahrrad, nachdem es gestürzt ist; sie benutzen bei Kleinkindern längere Sätze, kompliziertere Worte und weniger rhythmische Satzmelodien (während sie mit Babys genauso "angepasst" und simpel sprechen wie Mütter). Sie lehren die Kleinen hartnäckiger, Frustrationen beim Lernen auszuhalten.

Die Beteiligung des Vaters

Die Vorfreude eines Mannes auf Kind und Vaterschaft, sein Wille zur Windel, ja sogar sein ausdrücklicher Wunsch nach mehr Engagement - das alles spielt nur bedingt eine Rolle für seinen tatsächlichen Einsatz. Entscheidender ist vielmehr die Einstellung der Frau.

Wenn sie ihrem Mann die Kompetenz abspricht, die Kinder angemessen betreuen zu können, dann rührt der Mann kaum einen Finger. Er kann von seinem eigenen Geschick noch so überzeugt sein - ist seine Frau davon nicht angetan, kommt er nicht zum Zuge. Der US-Experte Ross Parke pointiert: "Väter sind exakt so weit involviert, wie die Frau es zulässt."

Väter von Neugeborenen arbeiten in der Regel mehr im Büro und in der Fabrik als vor der Geburt, sind also seltener zu Hause. Das tun sie überwiegend nicht, um vor der neuen Familiensituation zu flüchten, wie oft geargwöhnt wird. Sondern meist, um den Einkommensverlust nach der Geburt auszugleichen oder um ihren Job zu sichern, wie eine repräsentative Studie des Bamberger Familienforschungs-Instituts ergab.

Zudem hat das Institut festgestellt, dass Väter von Kleinkindern im Schnitt mehr als neun Stunden pro Tag beruflich unterwegs sind - dass sich eine große Mehrheit danach aber noch mindestens eineinhalb Stunden um die Kinder kümmert. Am Wochenende beschäftigen sich die meisten Männer länger mit dem Nachwuchs als Frauen.

Trotzdem hält sich in der Gesellschaft das Klischee, Männer würden sich vor ihren Familienpflichten drücken. Der amerikanische Psychologe Ross Parke fragt in diesem Zusammenhang: Wie konnte es passieren, "dass väterliche Erwerbsarbeit weniger als Ausdruck von Liebe für die Familie gewertet wird, sondern allein als Versuch der Männer, ihre Frauen zu dominieren?" Die Frage gewinnt auch dadurch rapide an Brisanz, dass immer mehr Mütter berufstätig sind - müßte man nicht auch ihnen nun "Kindesvernachlässigung" vorwerfen?

"Neue Väter"?

Tiefgreifender, als es die An- und Abrechnung von Anwesenheitsminuten eines Elternteiles erfassen könnte, ändert sich das Geschlechterverhalten im emotionalem Sektor. Männer leisten sich im Verhältnis zu ihrem Nachwuchs heute "Gefühlsoffenheit, Weichheit, Zärtlichkeit, Fürsorglichkeit, ja sogar Schwäche", wie die Soziologinnen Ute Gonser und Ingrid Hellbrecht-Jordan beobachtet haben.

Der aktive, partnerschaftliche Vater ist zumindest bei den unter 45-Jährigen längst die Norm. Väter bevölkern Spielplätze, kennen Kinderkleidergrößen und die wichtigsten Pokémon-Figuren, machen mit beim "Mutter-und-Kind-Turnen" und wechseln Windeln in Frauentoiletten, weil Wickeltische in Herrenklos Seltenheitswert besitzen.

90 von 100 Vätern sind heute bei der Geburt anwesend (in den siebziger Jahren war das in den meisten Krankenhäusern gar nicht erwünscht); bei Familienentscheidungen herrscht meist Gleichheit zwischen Vater und Mutter - ja nicht einmal an der Disziplinierung finden moderne Väter noch Gefallen: "Das kulturelle Stereotyp, dass Väter mehr strafen als Mütter, ist ohne empirischen Beweis", so der Psychologe Ulrich Schmidt-Denter.

Im Gegenteil: Meist führen Männer ein weniger striktes Regiment als Mütter, wie Vergleiche zwischen Hausfrauen und Hausmännern ergaben. Mütter, gewöhnt an die Macht im Heim und besorgt, sie nicht zu verlieren, delegieren weniger an Mann und Kinder und halten die Fäden rigider in der Hand - sie errichten so genannte "mütter-zentrierte", hierarchische Systeme mit der Folge, dass sie viele Arbeiten selber übernehmen, auch wenn das ihre Stressbelastung erhöht. Väter als Hausmänner schaffen eher "familien-zentrierte" Gemeinschaften, in denen alle mithelfen müssen nach dem Motto: "Ich bin doch nicht eure Glucke." Auch verfechten sie meist großzügigere Ordnungs- und Reinlichkeitsstandards, sind also - je nach Interpretation - lockerer oder nachlässiger, wenn es ans Aufräumen geht.

Der vielbeschworene "Neue Mann", der Softie-Papa, der "Mapi ohne Brüste", wie Illustrierte in den Achtzigern visionierten - er reift unter den neuen Verhältnissen allerdings nur als Minderheitenfigur heran, als eine von vielen neuen Ausformungen des Vaterseins.

© Sabine Wenzel

Denn während Politik und Recht sich noch weitgehend an der klassischen Kleinfamilie orientieren, entsteht am Rande der Gesellschaft (genauer: in liberalen, großstädtischen Milieus) allmählich eine neue, bunte Welt des Väterlichen, die immer weniger in angestammte Denkkategorien passt - späte Väter, schwule Väter, Stiefväter in allen Varianten, Adoptivväter, Pflegeväter, Pendelväter, living-apart-together-Väter, Ein-Drittel-, Zwei-Drittel-, Fifty-fifty-Väter, Hausmänner, Samenspender-Väter, Tagesväter, Opapis. Alleinerziehende Väter sind die am schnellsten wachsende Familienform in Deutschland. Zuwachs in den vergangenen 40 Jahren: rund 250 Prozent - ein doppelt so starker Anstieg wie bei Frauen.

Was und wie ein Vater ist, diese scheinbar simple Frage erweist sich als immer vertrackter. Fest steht: Biologische Vaterschaft verliert, soziale Vaterschaft gewinnt an Bedeutung. Noch sind die Größenordnungen überschaubar, aber stetig mehr Männer werden nicht zu einem Kind kommen, indem sie es zeugen, sondern indem sie es übernehmen von einem anderen Mann, der eine neue Familie gründet oder sich seinerseits einer bereits vorhandenen Mutter-Kind-Gemeinschaft anschließt.

Kinder werden vermehrt mit multiplen Vätern (und Müttern) aufwachsen; möglicherweise finden sich regelrechte "Lebensabschnitts-Eltern". Das muss nicht von Nachteil sein: Gute Stiefväter können genauso liebevoll sein wie leibliche Väter, jedenfalls bewirken sie ähnlich positive psychologische Effekte auf Kinder, wie Paul Amato von der Universität von Pennsylvania in einer aufwendigen Studie nachgewiesen hat.

Auch Kyle Pruett von der Universität Yale sieht noch erhebliches Potenzial: Väter bildeten eine gigantische emotionale Reserve innerhalb der Gesellschaft, und diese Ressource könne und müsse man noch erheblich stärker anzapfen. Schädliche Nebenwirkungen seien nicht zu erwarten, schreibt der Psychologe. Schließlich sei die Ressource "natürlich, erneuerbar und weitgehend ungiftig".

 

 http://www.geo.de/GEO/kultur/gesellschaft/780.html?p=1&pageview=&pageview=

 

 

 


 

 

Heute (18.12.00) in SPIEGEL Online

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,108414,00.html

 

 

S T U D I E

Väter sind besser als ihr Ruf

Der arbeitende Vater ist out, der Hausmann in: Das bestätigen neue Studien. Danach haben Väter mehr Sinn für Familie als bisher behauptet.

Hamburg - Nach einem Bericht des Magazins "Geo" sind Väter für ihre Kinder weit wichtiger als bisher angenommen. Sie spielen nach neuesten Erkenntnissen vor allem emotional eine andere Rolle, als die Wissenschaft ihnen lange Jahre attestiert hatte. Das ist das Ergebnis verschiedener Studien aus Deutschland und den USA, über das Heft in seiner Januar-Ausgabe berichtet. Der unfähige oder unwillige männliche Erzieher sei nur ein Klischee, schreibt das Magazin. An die Stelle des klassischen, abwesenden "Arbeitsvaters" seien nicht nur zunehmend Hausmänner, Tagesväter und Alleinerzieher getreten. Auch das Wissen von der Bedeutung des Mannes in der Kindererziehung wandelt sich dem Bericht zufolge. Wissenschaftler hätten herausgefunden, dass zur Zeit eine "Re-Familiarisierung des Mannes" stattfinde, Männer also immer mehr häusliche Aufgaben übernähmen. Allein erziehende Väter seien die am schnellsten wachsende "Familienform" in Deutschland, mit einer Steigerungsrate von 250 Prozent in den letzten 40 Jahren. Männer erlebten ähnliche "Hormonausschläge" beim Umgang mit ihren Kindern wie Frauen. 65 Prozent aller Männer zeigten nach einer Studie Schwangerschaftssymptome wie Appetitschübe, Stimmungswechsel und Kopfschmerzen. Den Studien zufolge sprechen Väter genauso viel mit ihren Babys und küssen sie genauso oft. "Mit Ausnahme des Stillens gibt es keinerlei Hinweis, dass Frauen biologisch prädisponiert sind, der bessere Elternteil zu sein", sagt der Wissenschaftler Michael Lomb. Nicht die Biologie, sondern ausschließlich soziale Konventionen erzeugten die traditionelle Teilung elterlicher Verantwortung.

 

Im Internet steht eine gekürzte Fassung des Artikels unter

http://www.geo.de/themen/kultur_politik/vaeter/index.html

 

 

 


 

 

GEO MAGAZIN Nr.1/Januar 2001 (Seite 1/6)

Das neue Bild vom Vater

 

Dass Mütter die Hauptrolle bei der Entwicklung eines Kindes spielen, darf angezweifelt werden. Familienforscher verhelfen Vätern nun zu jener Wertschätzung, die ihrer Bedeutung längst gebührt.

 

Ein Psychologenteam um Karin Grossmann und Heinz Kindler von der Universität Regensburg hat wissenschaftliche Aufzeichnungen ausgewertet, die den Umgang verschiedener Väter mit ihren Kindern über viele Jahre hinweg dokumentieren. Die bisherigen Erkenntnisse der Forscher: Die Feinfühligkeit des Vaters beim Spiel, etwa mit Zweijährigen, korreliert extrem stark und eindeutig mit dem Bindungsverhalten der Kinder noch im Alter von 16 und 22 Jahren. Je sensibler der Vater das Kleinkind behandelt, desto sicherer geht der junge Erwachsene mit emotionalen Bindungen um.

 

Mehr noch: Als Erwachsene reproduzieren die Kinder in ihren Beziehungen ziemlich genau jenes Verhalten, das die Väter ihnen gegenüber im Spiel gezeigt haben. Ist der Papa dem Kind gegenüber geduldig, aufmerksam und zugewandt, so sind es 22-Jährige ihren Partnern gegenüber auch; sie vertrauen ihnen mehr, sind offener, emotional erfüllter und wenden sich öfter an Mitmenschen um Hilfe und Zuspruch. Kinder von unsensiblen Vätern haben dagegen weit mehr Probleme in Partnerschaften, sind zugeknöpfter, misstrauischer. Und noch ein Ergebnis: Die Spiel-Feinfühligkeit der Mutter spielt nur eine untergeordnete Rolle.

 

Die Suche nach der Wahrheit über das Wesen des Vaters ist schwer. Zu viele Vorurteile verstellen den Blick: vom angeblich abwesenden, faulen, säumigen, gewalttätigen Vater, vom Versager-Vater, vom Zerfall der Familie, vom Ende der Elternschaft...

 

Wie sieht sie nun also aus, die Wahrheit über Väter?

 

www.geo.de

 

 

 


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