Justizgeschichte


 

 

 

Amtsgericht Hirschberg im Jahr 2012

 

 

 

Forum Justizgeschichte

www.forum-justizgeschichte.de

 

 


 

 

 

Landgericht

Ursula Krechel

Verlag: Jung und Jung; Auflage: 1 (August 2012)

Kurzbeschreibung

... . Richard Kornitzer ist Richter von Beruf und ein Charakter von Kohlhaasschen Dimensionen. Die Nazizeit mit ihren absurden und tödlichen Regeln zieht sich als Riss durch sein Leben. ... Mit sprachlicher Behutsamkeit und einer insistierenden Zuneigung lässt "Landgericht" den Figuren späte Gerechtigkeit widerfahren. "Landgericht", der Roman mit dem doppeldeutigen Titel, handelt von einer deutschen Familie, und er erzählt zugleich mit großer Wucht von den Gründungsjahren einer Republik.

http://www.amazon.de/Landgericht-Ursula-Krechel/dp/3990270249/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1349774396&sr=8-1

 

 

 


 

 

Der Kampf um die Vergangenheit.

Das Wirken ehemaliger Wehrmachtjuristen im demokratischen Rechtsstaat aus der Sicht der Opfer

Wissenschaftliches Symposium aus Anlass des 80. Geburtstages von Helmut Kramer

am 17. und 18. April 2010

im Leibniz-Haus der Universität Hannover, Holzmarkt 4-6, 30159 Hannover

Leitung: Joachim Perels und Wolfram Wette

Veranstalter: Forum Justizgeschichte e.V.,

Redaktion Kritische Justiz,

Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, Sektionen Hannover und Südbaden,

Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz,

Arbeitskreis Historische Friedensforschung (AHF),

Werner Holtfort-Stiftung, Hannover-Laatzen.

Gefördert von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“

 

Programm

Samstag, 17. April 2010

10.00 Manfred Krause (Hamburg), Vorsitzender des Forums Justizgeschichte, Begrüßung

10.15 Ingo Müller (Berlin), Laudatio auf Helmut Kramer

10.45 Detleff Prellwitz (Holtfort-Stiftung), Verleihung des Werner Holtfort-Preises

11.15 Joachim Perels (Hannover), Konstituierung des demokratischen Rechtsstaats

durch Ausschaltung des NS-Justizapparats. Positionen in der

Nachkriegsperiode (Eröffnungs- und Festvortrag)

12.00-13.00 Mittagessen

13.00 Günter Saathoff (Berlin), Vorstand der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“, Von der Verleugnung zur Rehabilitierung und Entschädigung der Militärjustizopfer

13.15 Gerd Hankel (Hamburg), Die NS-Militärjustiz in den Nürnberger Urteilen

13.45 Claudia Bade (Torgau), Die Geschichtspolitik des Netzwerks ehemaliger Militärjuristen

14.15 Detlef Garbe (Neuengamme), Prof. Dr. Erich Schwinge. Der ehemalige Kommentator und Vollstrecker nationalsozialistischen Kriegsrechts als Apologet der Wehrmachtjustiz nach 1945

14.45 Oliver von Wrochem (Hamburg), Generalfeldmarschall Erich von Mansteins Bild von der „sauberen“ Wehrmachtjustiz

15.15 Kerstin von Lingen (Heidelberg), Nachkriegsrechtfertigungen der Wehrmacht und SS-Gerichtsbarkeit in Italien

15.45 Christopher Theel (Dresden), Lebenswege und Karriereverläufe ehemaliger SS-Richter

16.15 Norbert Haase (Dresden), Die Richter am Reichskriegsgericht und ihre Nachkriegskarrieren

16.45-17.15 Kaffeepause

17.15 Georg D. Falk (Marburg), Die Nachkriegskarriere des Kriegsrichters und späteren Marburger Amtsgerichtsdirektors Massengeil

17.45 Jacqueline Roussety (Berlin), Der Politiker Hans Filbinger und der Soldat Walter Gröger

18.15 Christoph Rass (Aachen), Ganz normale Richter? Kriegserfahrung und Nachkriegskarrieren von Divisionsrichtern

18.45 Claudia Fröhlich (Berlin), Die Entlegitimierung von Widerstand gegen den NS-Unrechtsstaat in der frühen Bundesrepublik. Am Beispiel von Ernst Mantel, Oberkriegsgerichtsrat, Heeresrichter und Richter am BGH

19.15 Stephan A. Glienke (Hannover), Rechtfertigung der de facto-Amnestie von Schreibtischtätern durch den ehemaligen Wehrmachtrichter Bröker

19.45 Annette Weinke (Berlin): Ehemalige Wehrmachtrichter in der SBZ/DDR. Ein blinder Fleck in der DDR-Justizgeschichtsschreibung

20.30 Empfang der Werner Holtfort-Stiftung und des Forums Justizgeschichte

 

Sonntag, 18. April 2010

10.00 Manfred Messerschmidt (Freiburg i. Br.), Die Opfer der NS-Militärjustiz

10.30 Peter Derleder (Bremen), „Unruhige Nacht“ von Albrecht Goes. Die Unmenschlichkeit eines Kriegsgerichtsverfahrens im Dritten Reich, vergegenwärtigt in der frühen Bundesrepublik

11.00 Kurt Schrimm (Ludwigsburg), Der Beitrag der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur juristischen Aufarbeitung der Wehrmachtjustiz

11.30 Rolf Surmann (Hamburg), Neue Militärjustiz? Überlegungen zur ihrer Wiedereinführung in der Bundesrepublik 1949 bis heute

12.00 Ludwig Baumann (Bremen), Ein Kampf um Würde. Die Bundesvereinigung „Opfer der NS-Militärjustiz“

12.30 Wolfram Wette (Freiburg i. Br.), Frühe Selbstentlastung der Richter – späte Rehabilitierung der Opfer (Schlusswort)

13.0 Ende des Symposiums

http://www.forumjustizgeschichte.de/uploads/media/Kramer_Symposium_Programm_Anmeldung.pdf

 

 

 


 

 

Neues Buch: „Geschichte des Kammergerichts von 1913 bis 1945“

RiKG a.D. Weichbrodt, PräsKG Nöhre, Frau Weichbrodt, Verleger Dr. Schwarz (v.r.n.l)

Eine eindrucksvolle „Zugabe“ zu seinem richterlichen Lebenswerk hat der Richter am Kammergericht a.D. Stephan Weichbrodt vorgelegt. Er hat nach seiner Pensionierung in aufwändiger Quellenarbeit mit viel Akribie die Geschichte des Kammergerichts in der Zeit von 1913 (also der Fertigstellung des jetzigen Gerichtsgebäudes) bis 1945 untersucht und die Ergebnisse seiner Forschung in einem Buch zusammengefasst.

Weichbrodt nähert sich dabei seinem Forschungsgegenstand mit einem ganzheitlichen Ansatz. Er stellt die Namens- und Baugeschichte ebenso dar wie Ausbildung und Karriere der damaligen Richter. Mit vielfältigen Belegen dokumentiert er eine große Zahl von Einzelereignissen aus dem „Innenleben“ des Gerichts und setzt dabei eine Zäsur am 30. Januar 1933. Die Tagungen der Chefpräsidenten sowie deren Berichte an die übergeordneten Behörden sind ebenso dargestellt wie die Entscheidungen des Kammergerichts aus jener Zeit. Biografische Skizzen der Präsidenten, Vizepräsidenten sowie einzelner weiterer Richter schließen sich an.

Die Präsentation des im Berliner Wissenschaftsverlag erschienenen Buches fand am 18.

September 2009 auf Einladung der Kammergerichtspräsidentin im Plenarsaal statt. Nach einem Grußwort des Staatssekretärs Hasso Lieber referierte der Hauptredner Prof. Dr. Peter-Alexis Albrecht aus Frankfurt/Main über „Die Autonomie der Justiz, dargestellt an der Entwicklung der Rechtsprechung in Deutschland“.

http://www.berlin.de/imperia/md/content/senatsverwaltungen/justiz/kammergericht/taetigkeitsberichte/taetigkeitsbericht_2009.pdf?start&ts=1271748126&file=taetigkeitsbericht_2009.pdf

 

 


 

 

 

Edelleute im höheren Reichsjustizdienst 1938

Personalien über die Rechtswissenschaftler, Richter und Staatsanwälte im Staatsdienst

Personal- und Dienstlaufbahnverzeichnisse bieten stets die willkommene Möglichkeit, Personen in ihren momentanen Berufssituationen zu dokumentieren, was umso wertvoller ist, wenn Staatshandbücher nicht ausreichend Auskunft über eine Dienstlaufbahn zu geben vermögen. Wir möchten hier im Volltext alle Adeligen aus solch einem Laufbahnverzeichnis bringen.

...

Nicht erfaßt wurden hier übrigens die am Volksgerichtshof tätigen Edelleute. Zwar gab es auch hier Volljuristen, die in den einzelnen Senaten als Staatsanwälte und Richter tätig gewesen sind, jedoch gehörte dazu 1938 kein Adeliger. Edelleute waren vielmehr als Laienrichter am VGH tätig, meist als Beisitzer.

D. Die einzelnen Edelleute im Justizdienst am 1.Januar 1938

Albert, v., Dr.jur., * Juli 1897, Gerichts-Assessor 17.Mai 1921, Landgerichtsrat Berlin II 1.Mai 1933, Berlin 15.Juli 1933, Kammergerichtsrat 1.Juli 1936. Außerdem Dr.jur. und Obltn d.R., 1937 Mitglied der 1.Abt. der DAG, LdsAbt. Berlin, Wohnung: Charlottenburg, Saldernstr.2

...

G. Quellenvermerk:

Dieser Aufsatz wurde von uns zuerst unter dem Titel "Edelleute im höheren Justizdienst des Deutschen Reiches 1938" im Deutschen Adels-Almanach, Lieferung 9, Sonderburg 2000 (Februar 2000), S.445-458 abgedruckt.

© Claus Heinrich Bill, Gepr. Ökowirt (SÖH)

Hauptseite Adelsforschung | Nach oben

Website erstellt vom Institut Deutsche Adelsforschung, www.edelleute.de

Online gestellt am 11.05.2001

 

http://home.foni.net/~adelsforschung1/jurist.htm

 

 

 

 

Kommentar Väternotruf:

"Edelleute", man könnte meinen es handle sich um eine bessere Sorge von Menschen, nicht aber um Leute, die sich von irgend so einem König einen Titel haben verabreichen lassen.

Scheiß Frau Professor, ein richtiger Mann wäre mir lieber.

 

 

 

 


 

 

Präsident des

Landgericht Flensburg

Postfach 2142

24911 Flensburg

 

 

 

Betrifft: Ehrung der Deutschen Wehrmacht im Landgericht Flensburg.

 

 

03.08.2004

 

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrter Dr. Willandsen,

dem aufmerksamen Besucher des Landgerichts Flensburg fallen im Treppenaufgang des Gerichtes, wo ein Hauptstrom der Besucher entlang führt, vier Gedenktafeln auf, an denen Kränze der "Flensburger Justizbehörden" und des "Flensburger Anwaltsvereins" angebracht sind. Die Inschriften lauten:

"Von den Justizangehörigen und Rechtsanwälten des Landgerichtsbezirks Flensburg blieben im Kampf für ihr Volk

1939 - 1945"

und

"Von den Justizbeamten, Rechtsanwälten aus dem abgetrennten Gebiet blieben auf dem Felde der Ehre

1914 -1918"

 

Darunter jeweils ein stilisierter Stahlhelm und die Namen der nach Textaussage "im Kampf für ihr Volk" im Krieg ums Leben gekommen Justizangehörigen und Rechtsanwälten des Landgerichtsbezirks Flensburg.

 

Für mich ist die Ehrung von Mitgliedern der Deutschen Wehrmacht im Treppenaufgang des Landgerichtes Flensburg unvereinbar mit den Prinzipien des demokratischen Rechtsstaats. Mein Großvater mütterlicherseits war Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes, er war mehrere Jahre in KZ-Haft.

Mir ist völlig unverständlich wie die Mitarbeiter/innen des Landgericht und Amtsgerichtes Flensburg, darunter viele Richterinnen und Richter die als Repräsentanten den demokratischen Rechtsstaat vertreten sollen, jeden Tag an diesen Gedenktafeln vorbeilaufen können, ohne offenbar auf die Idee zu kommen, dass hier in einer kriegsverherrlichenden Art Menschen gewürdigt werden, die sich an Verbrechen des nationalsozialistischen Terrorregime beteiligt haben.

Ich bitte Sie als Präsident des Landgerichtes Flensburg, dafür Sorge zu tragen, dass die Gedenktafel für Mitglieder der Deutschen Wehrmacht aus dem Landgericht Flensburg entfernt wird oder wenigstens durch eine angemessene Kommentierung auf die Verbrechen der Deutschen Wehrmacht und auch ihrer Mitglieder aus dem Kreis der Justizangehörigen und Rechtsanwälten des Landgerichtsbezirks Flensburg hingewiesen wird.

Über eine baldige diesbezügliche Zwischeninformation von Ihnen würde ich mich freuen.

 

Beiliegend übersende ich Ihnen ein Faltblatt des Forum Justizgeschichte e.V.. Vielleicht finden sich ja auch an Ihrem Gericht interessierte Richter/innen, die sich kritisch mit der nationalsozialistischen Justizgeschichte ihres Gerichtes beschäftigen.

Mit freundlichem Gruß

...

 

 

 

 

 

Antwortschreiben des  Präsidenten des Landgerichts Flensburg

 

 

Der Präsident des Landgerichts Flensburg

 

Landgericht Flensburg, Postfach 21 42, 24911 Flensburg

 

Herrn

...

09.08.2004

 

 

Sehr geehrter Herr ... ,

 

für Ihr vorbezeichnetes Schreiben möchte ich Ihnen danken. Ich freue mich, wenn sich Menschen kritisch mit unserer Geschichte und Justizgeschichte auseinandersetzen.

 

Ihr Bedenken, die im Treppenaufgang unseres Gerichts angebrachten Gedenktafeln könnten als unkritische Ehrung der Wehrmacht und Kriegsverherrlichung verstanden werden, teile ich allerdings nicht. Ähnliches ist auch bisher von keinem Mitarbeiter oder Besucher geäußert worden. Selbstverständlich sind diese Tafeln Ausdruck ihrer Zeit und würden wir sie heute anders gestalten. Die Hauptaussage unter den Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges `Du, dem noch zu leben bestimmt ist, gedenke ihrer und ihrer gefallenen Kameraden` lässt sich aber auch jetzt noch treffen. Die große Anzahl gefallener Justizangehöriger an einem so kleinen Gericht ist eine nachdrückliche Mahnung, sich des kriegerischen Wahnsinns zu erinnern und kann mit diesem Text nur trauernd verstanden werden. Dass die deutschen Soldaten im zweiten Weltkrieg objektiv einem Unrechtsregime gedient und sich auch Angehörige der Wehrmacht schuldig gemacht und an Verbrechen beteiligt haben, ist dabei eine unbestrittene Tatsache. Zur unbelehrbaren Randgruppe der Leugner gehören jedenfalls die Mitarbeiter dieses Hauses nicht.

 

Das Landgericht Flensburg ist insgesamt ein historischer Bau, der noch über viele Zeugnisse aus der Vergangenheit verfügt. Wir möchten diese auch weiterhin nicht entsorgen, sondern uns mit ihnen auseinandersetzen.

So enthält der Strafkammersaal ein Gemälde aus den Zeiten des Gesamtstaates, das früher im (dänischen) Oberappellationsgericht hing. Es stellt die Übergabe des Jütischen Rechts durch Waldemar II. auf dem Reichstag in Vordingborg 1241 dar und sollte in der Zeit der nationalen Auseinandersetzung die Zugehörigkeit des Landesteils Schleswig zu Dänemark unterstreichen. Auch wenn wir dieses Gemalde gerne zeigen, denkt niemand an eine Rückkehr zu Dänemark.

Umgekehrt bedeuten die Wappen der nordschleswigschen Amtsgerichte im Treppenaufgang nicht, dass hier der Wunsch nach Rückkehr der 1920 `abgetrennten Gebiete` bestünde.

Weiterhin ist im Gebäude noch eine Statue Kaiser Wilhelms I. vorhanden. Auch ihr Verbleiben ist nicht damit gleichzusetzen, dass hier irgendjemand die Rückkehr zur Monarchie wünscht. Wir sind und bleiben Republikaner.

 

Weil wir unser historisches Gericht mit seinem modernen Anbau als ständige Aufforderung zur Beschäftigung mit unserer Geschichte und Zukunft verstehen, bemühen wir uns in der in unserem Hause befindlichen Gerichtshistorischen Ausstellung deshalb auch um eine kritische Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Justizgeschichte unseres Landes und Bezirks. Bei Führungen, die meine Mitarbeiter und ich für viele Gruppen durchführen, werden die Verstrickung der Justiz in das NS-Unrechtsregime und der teilweise misslungenen personelle Neuanfang nach 1945 ausführlich dargestellt. Insgesamt glaube ich sagen zu dürfen, dass es nur wenige Gerichte gibt, die sich auch mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit so intensiv auseinandersetzen wie das unsrige.

 

Ich hoffe, Ihre Bedenken mit meinen Ausführungen ausgeräumt haben zu können, führe sie gerne bei Interesse durch unsere Ausstellung und verbleibe

mit vorzüglicher Hochachtung Ihr

V. Willandsen

 

 

 

Antwortschreiben an den Präsidenten des Landgerichts Flensburg:

 

Präsident des

Landgericht Flensburg

Postfach 2142

24911 Flensburg

 

 

Betrifft: Ehrung der Deutschen Wehrmacht im Landgericht Flensburg

Ihr Schreiben vom 09.08.04

 

 

06.09.2004

 

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrter Dr. Willandsen,

vielen Dank für Ihr Antwortschreiben, in dem Sie mir Ihre Haltung zu den von mir kritisierten im Landgericht Flensburg angebrachten Gedenktafeln für Angehörige der Deutschen Wehrmacht mitteilen.

Ihre Haltung kann ich insgesamt so nicht teilen, wenngleich ich das offenbar auch am Landgericht Flensburg bestehende Engagement zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Verbindung mit der eigenen Justizgeschichte begrüße. Ich hoffe, dass es im Lauf dieser Arbeit auch zu einem kritischeren und anderem Umgang mit den benannten Gedenktafeln kommt.

Beiliegend als Anregung für Ihre weitere diesbezügliche Arbeit der Aufsatz ""Die Übernahme der Beamtenschaft des Hitler-Regimes" von Jochen Perels in "Kritische Justiz, 2/2004.

 

Mit freundlichem Gruß

...

 

 


 

 

 

----- Weitergeleitete Mail ----

Von: "Renner, Yvonne (Justizministerium)" <RennerY@jum.bwl.de>

Gesendet: Mittwoch, den 18. Juli 2007, 12:42:31 Uhr

Betreff: PM/Justiz - 150 Jahre Badische Amtsgerichte

 

MEDIENINFORMATION 18. Juli 2007

 

Justiz feiert 150 Jahre Badische Amtsgerichte

Goll: "Keine Schließung von kleinen Amtsgerichten"

Die Badischen Amtsgerichte feiern ihren 150. Geburtstag. Mit mehreren Veranstaltungen in Karlsruhe, Freiburg und Mannheim macht die Justiz in den nächsten Tagen vor allem auf das hohe Gut ihrer Unabhängigkeit als elementaren Bestandteil der Gewaltenteilung im Staatsgefüge aufmerksam. "Die richterliche Unabhängigkeit ist die wichtigste Voraussetzung für die Akzeptanz von Urteilen. Die Beteiligten müssen sich darauf verlassen können, dass Richterinnen und Richter nur Recht und Gesetz verpflichtet sind und keine anderen Interessen vertreten. Dies ist bei uns gewährleistet", sagte Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) am Mittwoch (18. Juli) in Karlsruhe. Gemeinsam mit dem Präsidenten des Oberlandesgerichts Karlsruhe, Dr. Werner Münchbach, stellte der Minister das Festprogramm der mitwirkenden großen badischen Präsidialgerichte vor.

 

"Die Rechtspflege der Ämter wird mit dem 1. September des Jahres 1857 von selbständigen Amtsgerichten ausgeübt", lautete der entscheidende Artikel der Verordnung Großherzogs Friedrich I. vom 18. Juli 1857. Weiter hieß es: "Die mit der Verwaltung der Justiz bisher beauftragten Beamten haben von dem bezeichneten Tage an den Titel Amtsrichter zu führen." Diese beiden Artikel waren die Geburtsstunde der Amtsgerichte und Amtsrichter in Baden. Nach jahrelangem Ringen waren damit endgültig liberale und bürgerlich-demokratische Werte in die Justiz eingezogen. Der Richter war nicht mehr in erster Linie Staatsdiener oder bevormundender Sittenrichter, sondern stand eigenständig neben den gesellschaftlichen Gruppen. "Auf den Tag genau vor 150 Jahren wurde hier in Baden der Untertan zum Bürger! Er war nun nicht mehr nur Objekt, sondern vor den Amtsgerichten in einem Rechtstreit nach festen Regeln mit eigenen Rechten ausgestattet", sagte Münchbach.

Seit ihrem Bestehen hätten die badischen Amtsgerichte die wechselvolle Geschichte des Landes begleitet, so Goll und Münchbach. Dabei sei vor allem in Zeiten der Schreckensherrschaft durch die Nationalsozialisten im Namen des Rechts viel Unrecht geschehen - sowohl durch Richter, aber auch an Richtern. "Wir wollen bewusst auch an diesen dunklen Teil der 150 jährigen Geschichte der badischen Amtsgerichte erinnern", sagten der Minister und der Oberlandesgerichtspräsident. Zu viele Richter seien dem Unrechtsystem dienstbar gewesen und hätten unermessliches Leid über die Opfer und deren Familien, Verwandte und Freunde gebracht. Um an das Schicksal dieser Menschen zu erinnern und vor dem Vergessen zu bewahren, habe die Justiz bereits im Jahre 2002 ein Mahnmal am Amtsgericht Mannheim errichtet. Eine weitere Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialistischen Sondergerichts sei am Amtsgericht Freiburg im Jahr 2004 eingeweiht worden. Die Feier des Amtsgerichts Karlsruhe am 19. Juli im Bürgersaal des Rathauses stehe nun auch im Zeichen des Gedenkens an sieben jüdische Richter in Baden, welche als Amtsrichter in der Zeit zwischen 1933 bis 1935 allein auf Grund ihres Glaubens entlassen und in existentielle Not gestürzt worden seien.

Weitere Veranstaltungen fänden ebenfalls am 19. Juli ab 14.00 Uhr in den Räumen des Amtsgerichts Mannheim und am 20. Juli ab 18.00 Uhr bei der "Justiznacht" im Amtsgericht Freiburg statt, teilten Goll und Münchbach mit.

Baden-Württemberg hat insgesamt 108 Amtsgerichte, davon 52 in Baden. Dort erledigten im Jahr 2006 über 270 Richterinnen und Richter mehr als 143.000 Verfahren in Zivil-, Straf-, Bußgeld- und Familiensachen. Die Amtsgerichte sind ferner zuständig für die Bearbeitung von Insolvenz- und Zwangsvollstreckungsverfahren, Vormundschafts-, Betreuungs- und Unterbringungssachen sowie Registerangelegenheiten. Auch bei Streitigkeiten nach dem Wohnungseigentumsgesetz sind die Amtsgerichte die richtige Anlaufstelle. Schließlich leisten die Amtsgerichte über ihre Rechtsantragsstellen den Bürgern Beratungshilfe. "In einem Flächenland wie Baden-Württemberg hat sich die bürgernahe Struktur von vielen kleinen Amtsgerichten, die für die Menschen vor Ort schnell erreichbar sind, bestens bewährt", betonte der Minister. Zwar werde sich die Justiz auch künftig noch mehr als bisher auf ihre Kernaufgaben konzentrieren müssen. "Eine Schließung der vielen kleinen Amtsgerichte ist allerdings nicht in der Planung", beendete Goll hin und wieder aufkeimende Spekulationen, die Amtsgerichte sollten zusammengelegt werden.

 

Stefan Wirz

Pressesprecher

 

 

Anlagen:

Programm des OLG Karlsruhe

sowie

der Amtsgerichte Karlsruhe, Freiburg und Mannheim

 

 

 

Kommentar Väternotruf:

Immerhin hat man - ungefähr 60 Jahre nach dem Untergang des nationalsozialistischen Terrorregimes - am Amtsgericht Freiburg und am Amtsgericht Mannheim eine Gedenktafel für Opfer der nationalsozialistischen Justiz angebracht. Beim Amtsgericht Flensburg und Landgericht Flensburg ist man davon aber offenbar noch meilenweit entfernt und würdigt statt dessen ungeniert die Täter aus den Reihen der Justiz. Gott bewahre und vor einer solchen unreflektierten bundesdeutschen Justiz.  

 

 


 

 

 

 

Auszug aus der Festschrift anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Amtsgerichts Lampertheim im Jahre 2005

Die Justiz in Lampertheim hat weit in die Vergangenheit reichende Wurzeln. Bereits in der fränkischen Zeit oblag die Rechtsprechung vom Volk gewählten Richtern. Jene reisten von Gerichtstätte zu Gerichtsstätte und hielten unter freiem Himmel und an besonderen Plätzen Gericht.

Aus dieser Tradition entwickelten sich zunächst die Grafschaftsgerichte mit dem Gaugrafen als Vorsitzendem. Die Unterbezirke stellten die Zentgerichte, deren eines der bedeutendsten auf dem Landberg bei Heppenheim angesiedelt war. Zu jenem Zentgericht gehörten insgesamt 33 Orte, darunter auch Biblis und Bürstadt. Lampertheim gehörte ebenso wie Viernheim auf Grund der durch die Pfandschaft von 1386 bestehenden pfälzischen Zuständigkeiten zum Schriesheimer Zentgericht. Urkundlich belegt ist diese Zuständigkeit mind. seit 1430.

Dem Zentgericht oblag unter Vorsitz eines von dem Landesherrn bestellten Zentgrafen ausschließlich die Blutgerichtsbarkeit (Hochgericht). Es saß über Kapitalverbrechen und konnte in dieser Eigenschaft sowohl Todes- als auch Verstümmelungsstrafen verhängen. Die Tätigkeit der Zentgerichte lässt sich bis in das 19. Jahrhundert belegen. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts verurteilte das Beerfelder Zentgericht eine Zigeunerin wegen Diebstahls einiger Brote und Hühner zum Tod durch den Strang; die Hinrichtung erfolgte sofort nach dem Urteilsspruch. Eine am Beerfelder Galgen angebrachte Tafel kündet auch heute noch von diesem harten Urteil.

 

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Ebenso wie für das Zentgericht Beerfelden war auch in Lampertheim als Zeichen der Hohen Gerichtsbarkeit ein Galgen errichtet worden; er befand sich in unmittelbarer Nähe der Straße Frankfurt – Mannheim und der Ladenburg – Lampertheim – Wormser Straße. Ursprünglich bestand ein Galgen der damaligen Zeit aus einer aufrechten Säule, an deren oberen Ende ein Balken rechtwinklig eingriff. Bekannt sind auch mehrere Pfosten mit darüber gelegten Verbindungsbalken oder gemauerte, kreisförmige Erhöhungen, auf der drei Säulen oder Pfeiler die Querbalken trugen. Am Galgen erhängt zu werden war seit dem Mittelalter gegenüber der Enthauptung eine schimpflichere Strafe, welche vorwiegend gegen Diebe und Delinquenten niederer Stände verhängt wurde.

Der Galgen wurde 1871 durch § 13 StGB durch die Volllzugsart der Enthauptung abgeschafft, im Zuge der national-sozialistischen Gewaltherrschaft vorübergehend wieder eingeführt und nach deren Ende dauerhaft abgeschafft.

Für das Lampertheimer Zentgericht sind insgesamt lediglich 2 Hinrichtungen an dieser Hinrichtungsstätte urkundlich belegt. In beiden Fällen waren Frauen betroffen, die ihre nichtehelichen Kinder getötet hatten.

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http://www.ag-lampertheim.justiz.hessen.de/irj/AMG_Lampertheim_Internet?cid=e379b9a223548d22f981931384621448

 

 

 

 


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